EULEN-NACHRICHTEN 2026


Mai 2026

Uhu aus Schafzaun gerettet

Am Nachmittag des 03. Mai wird in Delligsen - Düsterntal ein Uhu in einem Schafzaun entdeckt (siehe Foto @ J. Gremmel). Wahrscheinlich war er bei seiner nächtlichen Jagd in das Netz des Schafzauns geflogen und konnte sich nicht mehr daraus befreien. Durch seine Versuche, dem Netz zu entkommen, hatte sich der Uhu erst richtig darin verwickelt. Dank des beherzten Eingreifens von Angelika Gröhler, die ihn aus dem Netz herausschnitt, das sich auch bereits um den Hals des Nachtgreifs zusammengezogen hatte, überlebte die Großeule. Sie wurde umgehend zur tierärztlichen Behandlung in die TiHo Hannover gebracht. Ein Flügel war offenbar verletzt, außerdem hatte der Vogel eine Wunde am linken Fuß (siehe Foto @ J. Gremmel). Der Uhu blieb zur Beobachtung und weiteren Untersuchung in der Tierklinik.

Uhus haben in dieser Zeit Nachwuchs. Da es sich bei dem verletzten Uhu um ein Weibchen handelte, das auf ein Alter von etwa acht Jahren geschätzt wurde, lag die Vermutung nahe, dass es Junge zu versorgen hat. Je jünger die Küken sind, desto wichtiger sind die Weibchen, da nur sie in der Lage sind, die Beute zu zerkleinern.

 

Die Röntgenaufnahme des Flügels zeigte, dass kein Bruch vorlag, und die Wunde am Fuß  war nicht bedenklich. Als die Uhudame am Montag in der TiHo zeigte, dass sie wieder gut fliegen kann, wurde von der Tierärzten grünes Licht gegeben. Wir konnten den Uhu am Nachmittag des 4. Mai aus der Klinik abholen und ihn noch am gleichen Tag gegen 17:30 Uhr an seinem Fundort in Düsterntal in die Freiheit entlassen. 

 

Für die schnelle Uhu-Rettung danken wir Jan Gremmel, der den "Krankentransport" übernommen hatte, und der TiHo Hannover für die gute Behandlung und Versorgung des Uhus!


April 2026

Zu Besuch bei MAMAMITI

MAMAMITI steht auf der Eingangstür (siehe Foto).  Hier geht es in den Hildesheimer Waldkindergarten. „Mama Miti“ bedeutet übersetzt „Mutter der Bäume“.

„Könnt ihr mit unseren Kindern Gewölle untersuchen und etwas über Eulen erzählen?“, wurde vom Waldkindergarten bei der AG Eulenschutz angefragt. Wir sagten sofort zu. Kinder für Eulen zu begeistern ist Naturschutz für die Zukunft und es macht Spaß! 

Am 8. April wurden wir (Maxi, Uli und die Verfasserin) schon ungeduldig erwartet. Woran erkennt man Eulen, welche besonderen Fähigkeiten besitzen sie und wovon ernähren sich Eulen? Um das zu verdeutlichen und zu belegen hatten wir Verstärkung mitgebacht: Susi, Mäxchen (Steinkauz) und Hedwig (Schleiereule)  (siehe Foto) waren mit dabei. 

Dann ging es an die „Arbeit“: Die mitgebrachten Schleiereulen-Gewölle

 

sollten zerlegt und genauestens auf ihren Inhalt untersucht werden. Dazu sind Handschuhe, Pinzetten und Holzstäbchen unerlässlich. Schädelknochen von Mäusen erlauben eine genaue Aussage darüber, was für Mäuse bei den Eulen auf dem Speiseplan gestanden haben. Aber auch Knochen von Rippen, Becken, Schulterblatt usw.  konnten anhand eines abgebildeten Mäuseskeletts zugeordnet werden. Die Knochen wurden gesäubert und konnten mit nach Hause genommen werden. Nach fast zwei Stunden konzentrierter Arbeit war bei den Kindern wieder Bewegung angesagt.

 

Es hat allen Spaß gemacht und wir versprachen, im nächsten Jahr wiederzukommen. (Text und Fotos @ A. Krueger)


März 2026

Unerwarteter Gast im Lebensort Röderhof

Siebenschläfer. Foto @ Frank Derer

Zu den Aufgaben der AG Eulenschutz gehört die Kontrolle und Reinigung der etwa 55 Nistkästen im Karthauswald, der südlich vom Röderhof (Diekholzen) liegt. Diese Aktion findet in jedem Jahr Anfang Februar statt. Dabei gilt folgende Regel: Zuerst anklopfen, bevor der Nistkasten geöffnet wird. Ist das Innere des Kastens vollständig zugestopft mit Gras, Moos u. ä. könnte sich ein Siebenschläfer darin befinden. In diesem Fall wird der Nistkasten sofort wieder verschlossen, denn die kleinen Tiere schlafen um diese Zeit noch. Erst im April bis Mai, wenn es warm wird, werden sie wach und verlassen ihr kuscheliges Nest.

 

Bei der Reinigungsaktion in diesem Jahr fanden wir in den Nistkästen keinen Siebenschläfer. Aber mindestens einer hatte sich einen besseren Überwinterungsplatz gesucht. In dem Wohnbereich des Lebensortes Röderhof, etwa 300 Meter vom Karthauswald entfernt, hörten die Bewohner nachts immer wieder Geräusche, fanden angenagtes Obst und auch schwarzen Kot. Schließlich entdeckte man den Wintergast in einer Schublade, in der er es sich gemütlich gemacht und sogar ein kleines Vorratslager aus Nüssen angelegt hatte. Den etwa sieben Monate dauernden Winterschlaf brauchte er nicht, denn er hatte es warm und Futter war ausreichend vorhanden. 

 

Siebenschläfer sind nachtaktive Nagetiere und gehören zur Familie der Bilche, auch Schlafmäuse genannt. Bevor sie im Oktober in den Winterschlaf gehen, der bis etwa April dauert, ernähren sie sich hauptsächlich von Eicheln und Bucheckern, um ihre Fettreserven aufzubauen. Sie leben meist in Bäumen.

 Da die Schlafmaus in dem Wohnbereich nicht bleiben konnte und Ende März die Temperaturen draußen auch schon im zweistelligen Bereich lagen, wurde sie eingefangen und ins Freie gesetzt, wo sie sofort in einen Baum kletterte (siehe Foto @ Sophie Bock). Eine Kiste, versehen mit Heu und Putzwolle sowie Futter, wurde dazu gestellt, denn schließlich sollte es dem kleinen Tier draußen ja gut gehen.

Doch am nächsten Morgen fand man das kleine Kerlchen wieder in demselben Raum des Wohnbereichs. Es hatte in der Nacht problemlos den Weg zurück gefunden. Dieses Mal versteckte es sich in einem Karton.  

Siebenschläfer mit ihrem buschigen Schwanz, der an ein Eichhörnchen erinnert, sind sehr gute Kletterer (Foto: Siebenschläfer hinter einem Schrank @ Franziska Oestern) und sie finden über eine Entfernung bis zu 20 Kilometern wieder zurück zu ihrem alten Platz.

Eine Lösung musste gefunden werden. So transportierte man den „kleinen Kobold“ mitsamt Karton nach Petze. Ein großer, höhlenreicher Baum schien ein geeigneter Platz für ihn zu sein. Aus dem Karton kletterte er sofort in dem Baum hoch. Am Ende sah man ihn aus einer der Baumhöhlen herausschauen (siehe Foto @ Franziska Oestern). 

 

 Es wird sich zeigen, ob der kleinen Schlafmaus dieser Platz als neue Heimat gefällt. Petze ist vom Lebensort  Röderhof ca. sieben Kilometer entfernt. Also durchaus machbar für den flinken Kletterer. 


Januar 2026

Neuer Wohnraum für Waldohreulen

Waldohreule im Tageseinstand. Foto @ Andreas Keller

Waldohreulen bauen selber keine Nester. Sie nutzen alte Krähen-, Elstern-, Tauben- oder Greifvogelnester, um darin zu brüten. Oft werden diese Nistunterlagen über mehrere Jahre genutzt. Die Herbststürme zerren jedoch an den Nestern, sodass häufig nach dem Winter nicht mehr viel von ihnen übrig ist. Fehlende Nester begrenzen den Bestand an Waldohreulen, selbst dort, wo die Jagd auf Wühlmäuse ausreichend Erfolg verspricht, um vier oder fünf Jungvögel aufzuziehen. Das gilt für grünlandreiche Gebiete, zum Beispiel Parks, Friedhöfe und Gartensiedlungen, selbst im städtischen Bereich.

An Plätzen, wo Waldohreulen über mehrere Jahre gebrütet haben, die alten Nistunterlagen aber zerfallen, lohnt es sich, den Eulen einen Brutplatz in Form eines Korbes anzubieten.

 

Im Juni 2023 berichteten wir erstmals über eine Waldohreulenfamilie mit sechs Jungen, die ihren Brutplatz in einem Randbezirk von Hildesheim hatte (siehe Eulen-Nachrichten Juni 2023 --->). Seitdem haben die Eulen dort in jedem Jahr wieder erfolgreich in einem der alten Krähennester gebrütet. Inzwischen sehen die Nester schon sehr zerrupft aus, sodass die Gefahr besteht, dass junge Eulen frühzeitig aus dem Nest fallen. Deshalb beschlossen wir, den Waldohreulen mit einer neuen Nistunterlage zu helfen. Dazu musste ein mit Rindenmulch gefüllter Korb hoch oben im Baum in einer Astgabelung gut befestigt werden. Hilfe bekamen wir von den NABU-Baumbotschaftern Moritz und Jonathan, die mit Seiltechnik in den Baum kletterten und dort den Eulen-Korb in etwa 12 Meter Höhe installierten (siehe Fotos unten). Insgesamt wurden drei Nistkörbe in verschiedenen Bäumen montiert. Und das bei den eisigen Temperaturen im Januar, aber schließlich musste die Wohnraumbeschaffung für unsere Eulen mit den Federohren noch rechtzeitig vor der nächsten Brutperiode abgeschlossen sein. 

Alle Fotos sind von Carsten Winter.