EULEN-NACHRICHTEN 2024


Februar 2024

Frühjahrsputz in den Nistkästen – Auch bei den Falken

Wanderfalkenweibchen an einer Kirche @ J. Heinrich.

Spätestens im Februar sollten die Nistkästen und Nistplätze der Vögel kontrolliert und gereinigt werden. Dies gilt nicht nur für die Höhlenbrüterkästen von Meise, Kleiber, Star und Co, sondern auch für die Brutplätze in Kirchen und Kirchtürmen. Mitglieder der AG Eulenschutz hatten bereits Ende letzten Jahres damit begonnen, die Schleiereulenkästen in den Kirchen zu inspizieren und gegebenenfalls zu reinigen. Die Schleiereulen-Nistkästen werden nicht selten auch fremdbelegt. Turmfalken und Dohlen ziehen darin gern ihre Jungen auf. Die Brutplätze von Schleiereulen und Turmfalken müssen nicht jedes Jahr sauber gemacht werden, da die Vögel keine Nester bauen und auch nach der Brut relativ wenig Hinterlassenschaften der Vögel zurückbleiben.

Anders ist es bei den Dohlen. Sie bauen in die Nistkästen ein Nest aus Stöcken und Zweigen und brüten dann in einer Brutmulde auf diesem „Holzberg“ (s. Foto links). Ein Nachmieter, wie z.B. die Schleiereule, hätte es in einem solchen Nistkasten schwer, erfolgreich ihre Eier auszubrüten. Deshalb sollten die von Dohlen belegten Nistkästen ausgeräumt werden.

 

Dohlennest mit Küken in einem Schleiereulenkasten. Foto @ A. Krueger

 

In diesem Jahr gab es zwei besondere „Frühjahrsputz-Aktionen“ in Hildesheimer Kirchtürmen: Der Wanderfalken-Nistkasten im Turm der Andreaskirche und die Nistplätze der Turmfalken an St. Michaelis.

Im Turm der Andreaskirche brüten seit einigen Jahren Wanderfalken in einem eigens für Falken eingebauten Nistkasten in ca. 100 Meter Höhe. Zunächst brüteten darin Turmfalken, dann übernahmen die größeren Verwandten, die Wanderfalken, den Nistplatz. Wie auch im letzten Jahr (siehe EULEN-NACHRICHTEN Januar 2023 >) kletterten Mitglieder unserer AG zum Nistkasten hinauf und säuberten ihn von den Beuteresten des vergangenen Jahres (s. Fotos unten). Das Wanderfalkenpaar war vor Ort und beobachtete das Geschehen. Deshalb ist auch in diesem Jahr davon auszugehen, dass der Brutplatz wieder belegt sein wird.

 

Vor der Reinigung: der Wanderfalkenkasten (li.)  und der "Balkon" vor dem Kasten (re.). Fotos @ G. Schluhe

Junge Turmfalken an St. Michaelis 2021. Foto @ A. Kaufhold

Die Michaeliskirche ist schon seit vielen Jahren das Domizil der Turmfalken. Sie brüten dort in einer Mauernische des Kirchturms. Da im letzten Jahr ein noch flugunfähiger, junger Turmfalke an der Kirche aufgefunden und in die Artenaufzuchtstation nach Leiferde gebracht werden musste, nahmen wir Kontakt zu den Kirchenvertretern von St. Michaelis auf und boten unsere Hilfe an. Tatsächlich gibt es in zwei Kirchtürmen der Michaeliskirche je einen Brutplatz. Beide wurden von den Falken in den letzten Jahren genutzt. Offenbar aber nicht nur von ihnen, denn in beiden Mauernischen häufte sich Nistmaterial. Vermutlich haben auch Tauben wiederholt diese Nistplätze belegt und ihr Nistmaterial, das aus  Zweigen und Stöcken besteht, eingetragen. Einer der beiden Brutplätze war völlig zugestopft (s. Fotos unten). Beide Mauernischen wurden geleert und gereinigt und stehen den Turmfalken nun wieder zur Verfügung. Wir hoffen, dass die Jungfalken jetzt wieder genügend Platz haben und sind gespannt, welche der beiden Mauernischen die Falken präferieren!

 

Mauernische im Turm der Michaeliskirche links vor und rechts nach der Reinigung. Fotos @ A. Krueger


Januar 2024

Die Hildesheimer ORNITHOLOGISCHE DREIFALTIGKEIT

Bild 1: Junge Turmfalken @ M. Weinhold, Bild 2: Wanderfalke beim Füttern @ Webcam Marienkirche Minden,

Bild 3: Uhu am Mariendom @ J. Achtzehn.

 

„Dreifaltigkeit“ bedeutet nach dem christlichen Glauben, dass Gott zugleich Vater, Sohn und Heiliger Geist ist. In Hildesheim spricht man im Naturschutz von der „Ornithologischen Dreifaltigkeit“. Gemeint ist damit, dass drei verschiedene Greifvogelarten wiederholt an Hildesheimer Kirchen gebrütet haben:  Turmfalken an St. Michaelis, Wanderfalken an St. Andreas und Uhus am Mariendom.

Dies kann z.B. hier nachgelesen werden: https://www.bund-hildesheim.de/arten-und-lebensraeume-schuetzen/stadtnatur/naturnahe-stadtgeschichte/.

 

So war es auch im letzten Jahr 2023: Die Turmfalken bezogen eine Mauernische in einem Turm der Michaeliskirche und zogen dort ihre Jungen auf. Auch die Brut der Wanderfalken in einem Nistkasten im Andreasturm in 100 Meter Höhe war erfolgreich. Zwei Jungfalken wurden beobachtet, vermutlich ein Weibchen und ein Männchen. Am Mariendom brütete ein Uhupaar in einem großen Nistkasten im Westwerk des Doms. An diesen Nistplatz waren die Uhus 2023 zurückgekehrt, nachdem sie in dem Jahr zuvor an der St. Lambertikirche gebrütet hatten und der für Uhubruten ungeeignete Nistkasten im Turm der Lambertikirche im Herbst 2022 geschlossen worden war (s. Nachrichten im September 2022 >). Doch leider scheiterte die Uhubrut 2023 am Mariendom. Es schlüpften keine Jungvögel.

 

Wird es in diesem Jahr die „Ornithologische Dreifaltigkeit“ in Hildesheim noch geben?

Während die Nistplätze für die Turmfalken an St. Michaelis und für die Wanderfalken an St. Andreas kontrolliert wurden und für die nächste Brutsaison bezugsfertig sind,  haben die Domverantwortlichen den großen Nistkasten im Westwerk des Mariendoms geschlossen. Der Grund dafür ist nicht bekannt. Ob die Uhus den zweiten Nistkasten am Dom, der sich über dem doppelstöckigen Kreuzgang befindet, beziehen werden, ist fraglich. Uhus sind sehr standorttreu. Sie werden sich also in Hildesheim einen anderen Brutplatz suchen müssen. Hoffentlich einen Nistplatz, der sowohl für die Brut als auch den Uhunachwuchs geeignet ist!