EULEN-NACHRICHTEN

ab Januar 2021


Oktober 2021

Uhu als Schlagopfer einer Windkraftanlage bestätigt

 Windkrafträder in einem Maisfeld

Am 20. September wurde ein toter Uhu in der Nähe des Windparks Schulenburg bei Adensen gefunden. Wir berichteten darüber in unseren Nachrichten für September (siehe unten). Inzwischen liegt das Gutachten der TiHo Hannover über die Todesursache des Uhus vor. In der Beurteilung heißt es, dass „die Untersuchung des Tierkörpers“ eine „massive Krafteinwirkung auf den Uhu“ zeigt. Die „Krafteinwirkungen könnten durch die Rotorblätter und … sekundär durch Verwirbelungen der Luft und ein Schleudern des Tieres zu Boden entstanden sein.“ In der röntgenologischen Untersuchung wurden multiple Frakturen der Gliedmaßen, der Wirbelsäule, der Rippen sowie des Schädels festgestellt.

 

Dies alles spricht dafür, dass der Uhu ein Kollisionsopfer der Rotorblätter eines Windkraftrades wurde. Er ist damit der 19. Uhu, der an einem Windkraftrad starb, und der 1. Uhu in Niedersachsen. Die Tabelle der „Vogelverluste an Windenergieanlagen in Deutschland“ der Staatlichen Vogelschutzwarte Brandenburg finden Sie unten in der PDF-Datei. Hierin sind alle Vögel aufgeführt, die bisher unter Windkrafträdern gefunden worden sind. Dazu sei angemerkt, dass es sich dabei um Zufallsfunde handelt. Eine gezielte Suche nach Schlagopfern unter Windkrafträdern findet nicht statt. Fällt ein getöteter Vogel in ein Maisfeld, wie oben auf dem Bild zu sehen, wird er eher von Fuchs, Waschbär und Co. gefunden als von einem Menschen.

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Vogelverluste an Windenergieanlagen in Deutschland
Vögel-Übersicht-D.pdf
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Nistkasten-Transfer per Aufzug

                                                     St. Laurentius Kirche in Freden

Der Einbau eines Schleiereulenkastens ist keine leichte Arbeit. Dies kann man bei unseren Nachrichten für Juni 2021 nachlesen. Einen Eulen-Nistkasten in einen Kirchturm einzubauen ist eine besondere Herausforderung. Da die Treppen, je höher man kommt, immer schmaler und oft auch steiler werden, ist es unmöglich, den Brutkasten mit den Maßen 1 m x 0,7 m x 0,7 m nach oben zu transportieren. Deshalb haben wir unsere sechs Kästen, die wir bisher in Kirchen eingebaut haben, stets in Einzelteilen nach oben getragen und an Ort und Stelle erst zusammengebaut.

Als wir jetzt das Angebot bekamen, in die St. Laurentius Kirche in Freden einen Schleiereulenkasten einzubauen und diesen dazu mit einem Aufzug in den Kirchturm zu transportieren, sagten wir sofort zu. Dieses Angebot kam vom Amt für Bau und Kunstpflege Hildesheim, denn die St. Laurentius Kirche wird zurzeit saniert und ist deshalb eingerüstet und mit einem Aufzug ausgestattet. Der Glockenstuhl der Kirche muss teilweise ausgetauscht und die Fassade des Kirchturms erneuert werden. So hatten wir das große Glück, den Nistkasten „in einem Stück“ ganz bequem in den Kirchturm zu befördern (siehe Fotos unten, Fotos A. Krueger). Er steht jetzt bereits an der richtigen Stelle im Kirchturm und wird, sobald die Dachdecker die Fassade fertig gestellt und auch die Einflugöffnung für den Nistkasten angelegt haben, von innen montiert.

An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei Herrn Saueressig vom Amt für Bau und Kunstpflege bedanken, der bei Kirchensanierungen stets auch an die gefiederten Kirchenbewohner denkt und den Einbau von Nistkästen für Eulen, Turmfalken, Dohlen und Mauersegler ermöglicht.

 

 


September 2021

Offenbar kollidiert Uhu mit Windkraftrad

                                                         In der Nähe des Windparks Schulenburg liegt ein toter Uhu. Foto Tobias Rausch

Am Montag, dem 20 September, bemerkt Tobias Rausch auf seiner Heimfahrt von Pattensen in Richtung Adensen einen großen Vogel, der neben der B3 auf einem Feld liegt. Er hält seinen Wagen an und findet auf dem abgeernteten Feld ganz in der Nähe eines Windkraftrades, das zum Windpark Schulenburg gehört, einen toten Uhu. Die von ihm benachrichtigte Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Hildesheim bittet die Eulen-AG des NABU Hildesheim um Unterstützung. Dienstagvormittag sehe ich mir die Fundstelle an, die etwa 100 m von einem der Windkrafträder entfernt ist. Ich übernehme den toten Uhu. Er weist offene Wunden an Kopf, beiden Flügeln und den Beinen auf. Sein Schnabel ist gebrochen. Auch die Flügelknochen scheinen mehrfach gebrochen zu sein. Ein sehr trauriger Anblick!

Toter Uhu, wahrscheinlich ein Schlagopfer des Windkraftrades. Foto: Tobias Rausch

Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde der Uhu im Flug von einem der Rotoren getroffen. Dies soll in der kommenden Woche in der TiHo Hannover noch genauer untersucht und die Todesursache soll festgestellt werden.

Uhus, ebenso wie Rotmilane und Bussarde, werden von der LÄNDER-ABEITSGEMEINSCHAFT DER VOGELSCHUTZWARTEN (LAG-VSW) zu den an Windenergieanlagen kollisionsgefährdeten Arten gerechnet.

Entgegen der Meinung, dass Uhus zumeist nahe über der Erdoberfläche jagen und deshalb nicht in die Reichweite der Rotoren kommen können, steuern die Großeulen sehr gern hohe Bauwerke wie Hochspannungsmasten, Fernmeldetürme und hohe Kirchen, so auch den Hildesheimer Dom, gezielt an. Von dort rufen sie oder brüten auch in großer Höhe. Beispielsweise brüten Uhus seit 2008 an einem Fernmeldeturm in Bad Oldesloe (Schleswig Holstein) in ca. 50 m Höhe. Die obere Plattform des Fernmeldeturms in ca. 97 m Höhe wird als Ansitzwarte genutzt.

Daher empfiehlt die LAG-VSW zur Vermeidung von Kollisionsopfern bei der Planung von Windkraftanlagen einen Abstand von mindestens 1000 m zu Uhu-Brutplätzen und mindestens 3000 m zu bedeutenden Nahrungshabitaten einzuhalten. 

Es bleibt zu hoffen, dass diese Empfehlungen bei den Planungen der Windparks auch Berücksichtigung finden!

 

Am 25.09.2021 berichtete die Hildesheimer Allgemeine Zeitung darüber. Sie finden den Artikel „Uhu offenbar an Windrad getötet“ in der PDF-Datei unten.

 

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"Uhu offenbar an Windrad getötet."
Uhu als Schlagopfer HAZ 2021-09-25.pdf
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Juli 2021

Neues von den Hildesheimer Domuhus

 Junguhu, etwa vier Monate alt, im Kreuzgang des Hildesheimer Doms. Foto A. Krueger

Auch in diesem Jahr hat das Uhupaar am Mariendom zu Hildesheim erfolgreich gebrütet. Nicht nur, dass die Uhus in diesem Jahr drei Wochen früher mit der Brut begonnen haben, auch aufgrund der Restaurierungsarbeiten an der Außenfassade der Annenkapelle, die sich inmitten des Kreuzganges befindet, verlief Einiges anders als in den Jahren davor.

 

 Den Bericht mit Fotos über die diesjährige Brutsaison der Uhus können Sie in der PDF-Datei „Die Uhus vom Mariendom zu Hildesheim 2021“ lesen.

 

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Die Uhus vom Mariendom zu Hildesheim 2021
Die Hildesheimer Domuhus 2021.pdf
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Juni 2021

Hilfe von der Lebenshilfe und Einbau von Nistkasten Nr. 26

 Schleiereulen-Nistkasten, eine Spende von der Lebenshilfe Hildesheim e.V.. Foto A. Krueger

Die Lebenshilfe Hildesheim e.V. spendete der AG Eulenschutz des NABU Hildesheim drei Nistkästen für Schleiereulen. Und das kam so:  Die Zeiten des Corona-Lockdowns nutzte die Lebenshilfe Hildesheim für Renovierungsarbeiten ihres „Geschenkelädchens“ am Römerring. Dabei wurde entschieden, dass die Schleiereulenkästen aus dem Verkaufssortiment genommen werden sollten. Gebaut wurden sie übrigens nicht in der Hildesheimer, sondern in der Gifhorner Werkstatt der Lebenshilfe. Wir freuten uns sehr über diese unerwartete Spende, denn gut gebaute Nistkästen können wir immer gebrauchen! Als Gegenleistung wurde vereinbart, dass wir den Teilnehmer*innen der Beruflichen Bildung der Lebenshilfe einen Einblick in unsere ehrenamtliche Tätigkeit zum Schutz der Eulen ermöglichen. Die Auszubildenden der Lebenshilfe werden uns in der nächsten Zeit beim Einbau von Nistkästen sowie deren Kontrollen begleiten und dabei etwas über unsere Tätigkeit im Artenschutz erfahren.

 Als der erste der drei Nistkästen Ende Juni 2021 in eine Scheune in Neuhof bei Hildesheim eingebaut wurde, begleitete uns Tobias Plitzko, der Öffentlichkeitsbeauftragte der Lebenshilfe, fotografisch dabei. Wir erläuterten ihm, dass dieser Standort im Stadtteil Neuhof aufgrund seines dörflichen Charakters einen idealen Lebensraum für Schleiereulen bietet. Direkt unter dem Einflugloch in den Nistkasten ist der Misthaufen des Pferdestalls, der sich im unteren Teil der Scheune befindet. Angrenzend ist eine von Schafen beweidete Streuobstwiese und weitere Gärten und Grünlandflächen sind in der Nähe. Hier sollte es genügend Mäuse geben, die auf der Speisekarte der Schleiereulen ganz oben stehen. Positiv ist auch, dass es in der Nähe keine stark befahrenen Straßen und auch keine Eisenbahnlinie gibt, denn sie stellen immer ein Kollisionsrisiko für die Eulen dar.

 

So begannen wir am 28. Juni um 9 Uhr mit dem Einbau des Nistkastens Nr. 26. (Unser Schleiereulenkasten Nr. 1 wurde am 5. Dezember 2018 in die Wassermühle in Söhre eingebaut. Wir berichteten in den Eulen- Nachrichten 2018 bis 2019 darüber.) Über eine schmale Treppe wurden der Nistkasten, Befestigungsmaterialien, Leitern und Maschinen auf den Boden der Scheune gebracht. Nachdem die Position des Kastens auf dem Balken in der Scheune markiert war, wurde zunächst das Einflugloch in der Außenmauer der Scheune angelegt. Dann wurde der Eulenkasten mit vereinten Kräften nach oben gezogen und auf dem Balken an der Wand befestigt. Dabei mussten alle helfen und den Nistkasten, der ca. 25 kg wiegt, von unten solange abstützen bis er gut fixiert war.

Die Schleiereulenkästen haben eine Kontroll- und Reinigungsklappe an der Rückseite. Damit diese gut erreicht werden kann, wurde zusätzlich eine Leiste zum sicheren Anlegen der Leiter angebracht. Zum Schluss wurde der Boden des Nistkastens noch mit einer Einstreu aus Hobelspänen versehen, damit die Eier beim Brüten nicht wegrollen. Nun ist er bezugsfertig. Wie hoffen, dass die Neuhofer Schleiereulen bald den Weg in den Nistkasten finden und dort viele kleine Eulen aufziehen.

 

Auch die Lebenshilfe Hildesheim e.V. berichtet auf ihrer Website über diese Aktion. Sie finden den Bericht unter der Überschrift "Neuer Brutraum für Schleiereulen" vom 28. Juli 2021 hier.

 

Die Fotos unten zeigen den Einbau des Eulenkastens in die Scheune. Darauf zu sehen sind G. Schluhe, A. Keller,

B. Brehm, T. Vollmer und A. Krueger.  Die Fotos sind von der Lebenshilfe Hildesheim e.V. / Tobias Plitzko.

 


Julen für die Greife

 Fritz Lietmeyer und Günther Schluhe (von li.) montieren eine Greifvogel-Jule. Foto A. Krueger

Anfang Juni haben Mitglieder der Eulen-AG in Kooperation mit Biolandwirt Michael Volm einen Weidezaun aus Stacheldraht im Gebiet zwischen Barienrode und Diekholzen entfernt. Dies geschah zum Schutz der Greifvögel und Eulen, die in diesem Gebiet auf Beutejagd gehen. Wir berichteten darüber (s.u. „Stacheldraht entfernen zum Schutz der Eulen – Teil 2“).

 

Über dem weitläufigen Weideland, auf dem die Galloways und Heckrinder von Michael Volm grasen, sowie den angrenzenden Feldern sieht man oft Mäusebussarde, Turmfalken und Rotmilane am Himmel ihre Kreise ziehen. Sie halten im Flug Ausschau nach Feld- und Wühlmäusen. Nachts machen hier Eulen, wie Schleiereulen, Waldohreulen, auch Uhus Jagd auf Kleinsäuger. Energiesparender für die Greife ist die Ansitzjagd, bei der die Vögel in Bäumen oder auf hohen Pfählen sitzend nach Beute Ausschau halten.

Da es jedoch in diesem Gebiet keine Ansitzmöglichkeiten für die großen Vögel gibt, montierten Mitglieder der Eulengruppe in Absprache mit Landwirt Volm fünf etwa 3 Meter hohe Sitzstangen, sogenannte „Julen“. Diese kann man jetzt entlang des neuen Weidezauns und an dem Unterstand der Rinder sehen.

 

Wir hoffen, dass die Ansitzstangen gut genutzt werden und den Greifvögeln bei der Beutejagd helfen.

  Ansitzstange für Greifvögel, Foto A. Krueger


Stacheldraht entfernen zum Schutz der Eulen - Teil 2

Fritz Lietmeyer, Angelika Krueger, Renate Lietmeyer und Dieter Goy (von links) beim Abbau des Stacheldrahts, Foto: M. Caglar

Stacheldrahtzäune bedeuten insbesondere für Eulen und Greifvögel ein großes Verletzungsrisiko.

Wenn sie bei der Jagd mit ihren großen Flügeln in einem solchen Zaun hängen bleiben und dann versuchen, sich in ihrer Panik daraus zu befreien, werden ihre Flügel regelrecht zerfetzt. Werden sie dann nicht rechtzeitig entdeckt, sterben sie einen qualvollen Tod. Das kann mehrere Tage dauern.

Um das zu verhindern, entfernten Mitglieder der AG Eulenschutz und des BUND in Zusammenarbeit mit Landwirt Michael Volm aus Söhre im März des letzten Jahres einige 100 Meter Stacheldrahtzaun im Naturschutzgebiet „Schwarze Heide“ in der Nähe von Barienrode. Wir berichteten bei den EULEN-NACHRICHTEN im März 2020 darüber. Diese Aktion konnte im letzten Jahr aufgrund der Corona-Pandemie nicht fortgesetzt werden.

 

Als Herr Volm in diesem Jahr bei der Eulengruppe des NABU anfragte, ob wir dabei helfen würden, den Weidezaun aus Stacheldraht an einer seiner anderen Weiden zu entfernen, sagten wir sofort zu. Dieser Zaun trennt eine große Weide auf etwa 300 Meter Länge vom benachbarten Acker und liegt völlig frei.

Deshalb stellt er eine besondere Gefahr für jagende Eulen und Greife dar.

Pünktlich am 3. Juni um 9.30 Uhr trafen wir uns mit Herrn Volm an der Weide. Nach einer kurzen Einweisung begannen wir damit, den gefährlichen Draht mit Bolzen- und Seitenschneider zu entfernen.

Er wurde aufgerollt und in einem großen Drahtkorb gesammelt, wobei wir darauf achteten alle Drahtreste einzusammeln, da sie sonst von den dort grasenden Rindern aufgenommen werden könnten. Gegen 16 Uhr war die Arbeit erledigt.

 

Die Hildesheimer Zeitung berichtete am 9. Juni über diese Aktion (siehe PDF-Datei unten).

 

Inzwischen wurde bereits der Glattdraht-Zaun von Herrn Volm montiert. Um den Eulen und Greifenvögeln bei der Jagd auf Kleinsäuger zu helfen, planen wir an dem Weidezaun fünf Greifvogel-Sitzstangen, sogenannte „Julen“, anzubringen, denn die Beutegreifer jagen nicht nur im Suchflug, sie sind auch Ansitzjäger. Und eine Ansitzmöglichkeit, z.B. einen Baum, gibt es in diesem Gebiet nicht.

 

Wir appellieren an alle Landeigentümer: BITTE verwenden Sie keinen Stacheldraht um Grundstücke oder Weiden einzuzäunen. Es geht auch anders, z.B. mit glattem Draht. Und BITTE entfernen Sie alten Stacheldraht, der nicht mehr benötigt wird. Sie helfen damit den Vögeln.

 

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HAZ 09.06.2021 Stacheldraht ade: Schutz für Vögel
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Mai 2021

Nachwuchs bei den Hildesheimer Domuhus

                                                Junger Uhu am 25. Mai auf der Dachrinne im Kreuzgang des Doms. Foto J. Hübner

Am Dienstag, den 25. Mai 2021 berichtete die Hildesheimer Allgemeine Zeitung über den „Uhu-Nachwuchs am Dom“ ( siehe JPEG-Datei unten). Ein großer Dank geht an Herrn Abu Ajamieh, der in diesem Artikel die Besucher des Kreuzganges darum bittet, Rücksicht auf den kleinen Uhu zu nehmen, ihn nicht zu stören und Abstand zu halten. Leider ist das nicht für alle Uhu-Interessierten selbstverständlich.

In diesem Jahr haben die Domuhus ein „Einzelkind“, das nun seine Umgebung in den ersten Wochen nach Verlassen des Brutplatzes allein erkunden muss. Am 2. Mai hat der Kleine den Nistkasten verlassen und seinen Weg  in den Kreuzgang des Doms gefunden. Etwa vier Wochen dauert dann die Infanteristenphase, in der der junge Uhu zu Fuß unterwegs ist und noch nicht fliegen kann. Nun, in diesem Jahr ging es im Vergleich zu den Jahren davor mit dem Flügge-Werden schneller. Bereits am 25. Mai konnte man den kleinen Uhu auf der Dachrinne  sitzen sehen (siehe Foto oben). Vielleicht war es ihm auf dem Annenfriedhof allein zu langweilig und er wollte seinen Eltern folgen.

Besucher des Kreuzganges, die nach dem jungen Uhu  Ausschau halten möchten, müssen also etwas weiter oben suchen. 

 

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Uhu-Nachwuchs am Dom - diesmal ein Einzelkind
2021-05-25 HAZ Nachwuchs bei den Domuhus
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April 2021

Von Uhus, Schleiereulen und Steinkäuzen

 Junger Uhu im Kreuzgang des Doms 2020. Foto J. Achtzehn

Öffentlichkeitsarbeit in Pandemie-Zeiten ist nicht immer leicht. Dies musste auch die AG Eulenschutz erfahren.

Die für März und April im NABU-Programm angekündigten Vorträge konnten nicht wie gewohnt als Präsenzveranstaltungen angeboten werden. So fand der Vortrag „Die Uhus vom Mariendom 2020am 4. März 2021 im Rahmen einer Zoom-Konferenz statt. Mehr als 50 Teilnehmer*innen erfuhren in einem Bildvortrag, wie im letzten Jahr drei prächtige junge Uhus im Kreuzgang des Domes herangewachsen sind und welche besonderen Erlebnisse es mit den kleinen und großen Uhus gab.

 

                                                    Nachwuchs bei den Schleiereulen. Foto A. Krueger

Auch der Bildvortrag mit dem Titel „Schleiereulen sind etwas ganz Besonderes“ fand am 27. April 2021 online statt. Hier standen die besonderen Eigenschaften und Fähigkeiten der Eulen mit dem herzförmigen Gesicht im Fokus, es wurde aber auch über das Schleiereulen-Projekt der AG Eulenschutz und den Bestand der Schleiereulen in unserer Region berichtet. Auch dieser Vortrag hatte mit mehr als 40 Teilnehmern*innen eine gute Resonanz.  

 

 

Die Mitglieder der Eulengruppe freuen sich sehr über das große Interesse an den Eulen allgemein und in unserer Region. Dies zeigte sich auch in den zahlreichen E-Mails und Anfragen, die nach den Vorträgen bei uns eingingen. 

 

 Nistkasten für Steinkäuze. Foto A. Krueger

In beiden Veranstaltungen wurde auf die Aktivitäten der Eulenschutz AG im Steinkauzprojekt hingewiesen. Seit 2019 werden Steinkauznistkästen in geeigneten Lebensräumen installiert und regelmäßig kontrolliert. Wir hoffen, dass die kleinen Käuze wieder ihren Weg in die Hildesheimer Region finden. Genaueres dazu können Sie hier nachlesen.

 

Am 30. April berichtete die Hildesheimer Zeitung in dem Artikel „Viele Mäuse? Dann boomt Nachwuchs bei den Schleiereulenvon Andrea Hempen über die Aktivitäten der AG Eulenschutz (siehe PDF-Datei unten).

 

 

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Viele Mäuse? Dann boomt Nachwuchs bei den Schleiereulen.
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März 2021

Gerade noch rechtzeitig

   Turmfalke bezieht neuen Nistkasten. Foto A. Stucke

 Als Mitglieder der AG Eulenschutz im Herbst 2020 den Schleiereulenkasten in der Nicolai-Kirche in Sibbesse kontrollierten und reinigten, erzählte uns Pastor Dr. Steinert, dass seit vielen Jahren Turmfalken auf einer Steinplatte, die in etwa 10 m Höhe unter dem Dach der Kirche befestigt ist, brüten. Zwar ist dieser Platz in luftiger Höhe durch den Dachüberstand etwas wettergeschützt, dennoch geschah es immer wieder, dass Eier der Falken herunterfielen und junge Turmfalken abstürzten. Auch Angriffe von Krähen und Elstern auf das brütende Turmfalkenweibchen wurden beobachtet.

 

Um den Turmfalken zu helfen, schlugen wir Dr. Steinert und dem Kirchenvorstand vor, an Stelle der Steinplatte einen richtigen Nistkasten für Turmfalken zu montieren. Alle waren einverstanden, ein Turmfalkenkasten wurde bestellt und sollte von den Dachdeckern bei der jährlichen Dachkontrolle im Frühjahr montiert werden. Dies war jedoch aufgrund der Höhe und des Gewichts des Nistkastens von einer Leiter aus nicht möglich. Eine Alternative musste rasch gefunden werden, denn die Brutsaison der Falken stand kurz bevor. Zum Glück konnten wir kurzfristig einen Steiger bekommen, mit dem die Montage problemlos gelang. An den Kosten für den Steiger beteiligte sich der NABU Hildesheim zur Hälfte.

Die Leine-Deister-Zeitung berichtete über diese Aktion (siehe PDF-Datei unten).

 

Es dauerte keine Woche, da hatte das Turmfalkenpaar ihr neues Domizil bereits bezogen (siehe Foto oben). Wir hatten es gerade noch rechtzeitig vor Brutbeginn geschafft!

 

Da Turmfalken auch sehr gern Schleiereulenkästen zum Brüten beziehen und diese dann in der Regel nicht zur gleichen Zeit von den Eulen genutzt werden können, sind Nistkästen für beide Vogelarten sinnvoll. Im letzten Jahr registrierten wir 22 Turmfalkenbruten in unseren Schleiereulenkästen. 29 Nistkästen waren von Schleiereulen und 5 von Dohlen belegt. 

 

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Leine-Deister-Zeitung 07.04.2021: Kinderstube in bester Lage
LDZ 07. 04.2021.pdf
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Tote Schleiereulen im Februar und März                                                                          - aber auch erfolgreiche Hilfsaktionen!

                                              Tote Schleiereule, gefunden am 14. Februar 2021. Foto A. Krueger

 

Unter dem kurzen, aber extremen Wintereinbruch Anfang Februar mit Temperaturen von bis zu -20°C und einer Schneehöhe bis zu 40 cm haben die Schleiereulen sehr stark gelitten. Der AG Eulenschutz wurden in der Zeit vom 10. Februar bis 13. März acht Totfunde aus der Region Hildesheim gemeldet.

 

Da Schleiereulen keine großen Fettreserven haben, wird es für sie nach einer Woche ohne ihre Hauptnahrung Mäuse eng. Die gefundenen Schleiereulen brachten nur noch ein Gewicht von ca. 200 g auf die Waage. Ein ausgewachsenes Eulenmännchen wiegt etwa 300 g, ein Weibchen etwa 400 g.

 

Bei dieser Wetterlage kann man den Eulen durch das Offenhalten von Scheunen und Ställen, wo sie noch Mäuse fangen können, und durch die Anlage von Mäuseburgen (siehe Nachrichten Januar 2021) helfen.

 

Fünf der tot aufgefundenen Schleiereulen waren beringt. Anhand der Ringnummern konnten wir das Alter der Eulen ermitteln: Vier von ihnen waren nur 8 bis 9 Monate alt, also Jungeulen aus dem letzten Jahr. Eine der Eulen war 18 Monate alt. Die fehlende Erfahrung bei der Nahrungsbeschaffung könnte hier eine Rolle gespielt haben.

 

Ähnlich hohe Verluste wurden aus den Nachbarlandkreisen gemeldet. Bei der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer, wo die Totfunde aus Niedersachsen gesammelt wurden, zählte man 70 tote Eulen.

 

Doch es gab auch erfolgreiche Hilfsaktionen:

 

In einem Dorf nahe Gronau wurden Hühner wegen Kälte und Schnee in einer Scheune einquartiert. Einige frisch geschlüpfte Hühnerküken wurden in einem kleinen Gehege unter einer Wärmelampe gehalten.  An einem Morgen fand der Besitzer eine Schleiereule in diesem Gehege. Sie hatte zwei der Küken gefressen, kam dann aber nicht mehr aus der Öffnung heraus. Sie wurde frei gelassen, das Gehege gut verschlossen und für die Eule wurden in den kommenden Nächten tote Eintagsküken ausgelegt, an denen sie sich bediente.

 

Auch im Raum Salzgitter konnte eine Schleiereule vor dem Verhungern gerettet werden. Die Eule wurde Mitte Februar total abgemagert gefunden und sofort zu einem Tierarzt gebracht. Dort bekam sie zunächst eine Nährlösung, nach drei Tagen wurde sie mit zerkleinerten Mäusen gefüttert. Als sie wieder ganze Mäuse und Eintagsküken fressen konnte, brachte man sie zu einem Falkner, der sie eine weitere Woche mit Nahrung versorgte und beobachtete. Dann wurde die Voliere geöffnet, sodass die Eule allein entscheiden konnte, wann sie wieder in die Freiheit fliegen wollte.

 

 Schleiereule, gefunden am 15.02.2021, Foto A. Sandvoss
Schleiereule, gefunden am 15.02.2021, Foto A. Sandvoss
  und einen Tag vor der Freilassung, Foto R. Wassmann
und einen Tag vor der Freilassung, Foto R. Wassmann

Wir hoffen, dass es  viele Schleiereulen über den Winter geschafft haben, sodass wir in diesem Jahr viele besetzte Schleiereulenkästen vorfinden.


Januar 2021

Schwere Zeiten für unsere Schleiereulen

             Schleiereulenpaar im Stallfenster. Foto linear images / Dietmar Nill

Bei anhaltender Kälte mit gefrorenem Boden wird es für Greifvögel zunehmend schwieriger, Mäuse zu jagen. Deshalb sieht man in den Wintermonaten häufig Greifvögel, wie z.B. Mäusebussarde, entlang von Straßen und Autobahnen sitzen. Sie hoffen dann darauf, Kadaver überfahrener Tiere zu finden und werden dann häufig selbst zu Opfern.

Schleiereulen dagegen sind auf frische Nahrung angewiesen. Sie speichern, verglichen mit anderen Eulenarten, nur wenig Reservefett. Deshalb leiden die Eulen mit dem herzförmigen Gesicht besonders in schneereichen Wintern unter dem Nahrungsmangel. Eine Woche mit einer geschlossenen Schneedecke setzt ihnen sehr zu. Nach 14 Tagen sterben sie, wenn sie keine andere Nahrungsquelle finden. Ein Abwandern der Eulen in nahrungsreiche Gebiete wurde bisher nicht beobachtet. Somit zählt die Schleiereule in kalten, schneereichen Wintern zu den ersten Kälteopfern.

Doch es gibt Möglichkeiten, unseren „Scheuneneulen“ zu helfen, nämlich indem man für sie die Scheunen öffnet und auch die Einfluglöcher (Ulenfluchten) offen hält. Und darum bitten wir die Landwirte! Der Vorteil dabei ist, dass die Eulen kostenlos, giftfrei und zuverlässig den Mäusebestand in der Scheune dezimieren.  

Im Umfeld bekannter Eulenbrutplätze können außerdem Flächen von Schnee befreit und dort Heu, Stroh und Körner ausgelegt werden. Das lockt Mäuse an, an denen sich dann die Eulen bedienen können.

Eine weitere Möglichkeit, den Eulen bei der Nahrungsbeschaffung zu helfen, ist Mäuse mithilfe einer Mäuseburg anzulocken. Dazu genügt es, mit einigen Brettern einen Würfel ohne Dach zu bauen. Dieser Kasten wird mit Steinen und Getreideabfällen schichtweise gefüllt. Über der Burg wird eine Sitzstange (Stange mit Querholz) für die Eulen angebracht. Eine solche Mäuseburg lockt viele Mäuse an, sodass die Eulen ihre Leibspeise problemlos jagen können. Sinnvollerweise sollte man eine solche Mäuseburg dicht bei einem Brutplatz bzw. Tageseinstand der Eulen aufstellen. Eine genaue Bauanleitung für eine Mäuseburg findet sich in der PDF-Datei unten. Alternativ kann eine Mäuseburg auch aus Paletten gebaut werden.

 

Wir hoffen jedenfalls, dass unsere Schleiereulen gut durch den Winter kommen!

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SE Eulen AG Anlegen einer Mäuseburg.pdf
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