EULEN-NACHRICHTEN

ab Januar 2021


Juni 2021

Julen für die Greife

Fritz Lietmeyer und Günther Schluhe (von li.) montieren eine Greifvogel-Jule. Foto A. Krueger

Anfang Juni haben Mitglieder der Eulen-AG in Kooperation mit Biolandwirt Michael Volm einen Weidezaun aus Stacheldraht im Gebiet zwischen Barienrode und Diekholzen entfernt. Dies geschah zum Schutz der Greifvögel und Eulen, die in diesem Gebiet auf Beutejagd gehen. Wir berichteten darüber (s.u. „Stacheldraht entfernen zum Schutz der Eulen – Teil 2“).

 

Über dem weitläufigen Weideland, auf dem die Galloways und Heckrinder von Michael Volm grasen, sowie den angrenzenden Feldern sieht man oft Mäusebussarde, Turmfalken und Rotmilane am Himmel ihre Kreise ziehen. Sie halten im Flug Ausschau nach Feld- und Wühlmäusen. Nachts machen hier Eulen, wie Schleiereulen, Waldohreulen, auch Uhus Jagd auf Kleinsäuger. Energiesparender für die Greife ist die Ansitzjagd, bei der die Vögel in Bäumen oder auf hohen Pfählen sitzend nach Beute Ausschau halten.

Da es jedoch in diesem Gebiet keine Ansitzmöglichkeiten für die großen Vögel gibt, montierten Mitglieder der Eulengruppe in Absprache mit Landwirt Volm fünf etwa 3 Meter hohe Sitzstangen, sogenannte „Julen“. Diese kann man jetzt entlang des neuen Weidezauns und an dem Unterstand der Rinder sehen.

 

Wir hoffen, dass die Ansitzstangen gut genutzt werden und den Greifvögeln bei der Beutejagd helfen.

Ansitzstange für Greifvögel, Foto A. Krueger


Stacheldraht entfernen zum Schutz der Eulen - Teil 2

Fritz Lietmeyer, Angelika Krueger, Renate Lietmeyer und Dieter Goy (von links) beim Abbau des Stacheldrahts, Foto: M. Caglar

Stacheldrahtzäune bedeuten insbesondere für Eulen und Greifvögel ein großes Verletzungsrisiko.

Wenn sie bei der Jagd mit ihren großen Flügeln in einem solchen Zaun hängen bleiben und dann versuchen, sich in ihrer Panik daraus zu befreien, werden ihre Flügel regelrecht zerfetzt. Werden sie dann nicht rechtzeitig entdeckt, sterben sie einen qualvollen Tod. Das kann mehrere Tage dauern.

Um das zu verhindern, entfernten Mitglieder der AG Eulenschutz und des BUND in Zusammenarbeit mit Landwirt Michael Volm aus Söhre im März des letzten Jahres einige 100 Meter Stacheldrahtzaun im Naturschutzgebiet „Schwarze Heide“ in der Nähe von Barienrode. Wir berichteten bei den EULEN-NACHRICHTEN im März 2020 darüber. Diese Aktion konnte im letzten Jahr aufgrund der Corona-Pandemie nicht fortgesetzt werden.

 

Als Herr Volm in diesem Jahr bei der Eulengruppe des NABU anfragte, ob wir dabei helfen würden, den Weidezaun aus Stacheldraht an einer seiner anderen Weiden zu entfernen, sagten wir sofort zu. Dieser Zaun trennt eine große Weide auf etwa 300 Meter Länge vom benachbarten Acker und liegt völlig frei.

Deshalb stellt er eine besondere Gefahr für jagende Eulen und Greife dar.

Pünktlich am 3. Juni um 9.30 Uhr trafen wir uns mit Herrn Volm an der Weide. Nach einer kurzen Einweisung begannen wir damit, den gefährlichen Draht mit Bolzen- und Seitenschneider zu entfernen.

Er wurde aufgerollt und in einem großen Drahtkorb gesammelt, wobei wir darauf achteten alle Drahtreste einzusammeln, da sie sonst von den dort grasenden Rindern aufgenommen werden könnten. Gegen 16 Uhr war die Arbeit erledigt.

 

Die Hildesheimer Zeitung berichtete am 9. Juni über diese Aktion (siehe PDF-Datei unten).

 

Inzwischen wurde bereits der Glattdraht-Zaun von Herrn Volm montiert. Um den Eulen und Greifenvögeln bei der Jagd auf Kleinsäuger zu helfen, planen wir an dem Weidezaun fünf Greifvogel-Sitzstangen, sogenannte „Julen“, anzubringen, denn die Beutegreifer jagen nicht nur im Suchflug, sie sind auch Ansitzjäger. Und eine Ansitzmöglichkeit, z.B. einen Baum, gibt es in diesem Gebiet nicht.

 

Wir appellieren an alle Landeigentümer: BITTE verwenden Sie keinen Stacheldraht um Grundstücke oder Weiden einzuzäunen. Es geht auch anders, z.B. mit glattem Draht. Und BITTE entfernen Sie alten Stacheldraht, der nicht mehr benötigt wird. Sie helfen damit den Vögeln.

 

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HAZ 09.06.2021 Stacheldraht ade: Schutz für Vögel
HAZ O9.06.2021.pdf
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April 2021

Von Uhus, Schleiereulen und Steinkäuzen

Junger Uhu im Kreuzgang des Doms 2020. Foto J. Achtzehn

Öffentlichkeitsarbeit in Pandemie-Zeiten ist nicht immer leicht. Dies musste auch die AG Eulenschutz erfahren.

Die für März und April im NABU-Programm angekündigten Vorträge konnten nicht wie gewohnt als Präsenzveranstaltungen angeboten werden. So fand der Vortrag „Die Uhus vom Mariendom 2020am 4. März 2021 im Rahmen einer Zoom-Konferenz statt. Mehr als 50 Teilnehmer*innen erfuhren in einem Bildvortrag, wie im letzten Jahr drei prächtige junge Uhus im Kreuzgang des Domes herangewachsen sind und welche besonderen Erlebnisse es mit den kleinen und großen Uhus gab.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachwuchs bei den Schleiereulen.

Foto A. Krueger

Auch der Bildvortrag mit dem Titel „Schleiereulen sind etwas ganz Besonderes“ fand am 27. April 2021 online statt. Hier standen die besonderen Eigenschaften und Fähigkeiten der Eulen mit dem herzförmigen Gesicht im Fokus, es wurde aber auch über das Schleiereulen-Projekt der AG Eulenschutz und den Bestand der Schleiereulen in unserer Region berichtet. Auch dieser Vortrag hatte mit mehr als 40 Teilnehmern*innen eine gute Resonanz.  

 

 

Die Mitglieder der Eulengruppe freuen sich sehr über das große Interesse an den Eulen allgemein und in unserer Region. Dies zeigte sich auch in den zahlreichen E-Mails und Anfragen, die nach den Vorträgen bei uns eingingen. 

 

Nistkasten für Steinkäuze. Foto A. Krueger

In beiden Veranstaltungen wurde auf die Aktivitäten der Eulenschutz AG im Steinkauzprojekt hingewiesen. Seit 2019 werden Steinkauznistkästen in geeigneten Lebensräumen installiert und regelmäßig kontrolliert. Wir hoffen, dass die kleinen Käuze wieder ihren Weg in die Hildesheimer Region finden. Genaueres dazu können Sie hier nachlesen.

 

Am 30. April berichtete die Hildesheimer Zeitung in dem Artikel „Viele Mäuse? Dann boomt Nachwuchs bei den Schleiereulenvon Andrea Hempen über die Aktivitäten der AG Eulenschutz (siehe PDF-Datei unten).

 

 

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Viele Mäuse? Dann boomt Nachwuchs bei den Schleiereulen.
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März 2021

Gerade noch rechtzeitig

Turmfalke bezieht neuen Nistkasten, Foto: A. Stucke
Turmfalke bezieht neuen Nistkasten, Foto: A. Stucke

 

Als Mitglieder der AG Eulenschutz im Herbst 2020 den Schleiereulenkasten in der Nicolai-Kirche in Sibbesse kontrollierten und reinigten, erzählte uns Pastor Dr. Steinert, dass seit vielen Jahren Turmfalken auf einer Steinplatte, die in etwa 10 m Höhe unter dem Dach der Kirche befestigt ist, brüten. Zwar ist dieser Platz in luftiger Höhe durch den Dachüberstand etwas wettergeschützt, dennoch geschah es immer wieder, dass Eier der Falken herunterfielen und junge Turmfalken abstürzten. Auch Angriffe von Krähen und Elstern auf das brütende Turmfalkenweibchen wurden beobachtet.

 

Um den Turmfalken zu helfen, schlugen wir Dr. Steinert und dem Kirchenvorstand vor, an Stelle der Steinplatte einen richtigen Nistkasten für Turmfalken zu montieren. Alle waren einverstanden, ein Turmfalkenkasten wurde bestellt und sollte von den Dachdeckern bei der jährlichen Dachkontrolle im Frühjahr montiert werden. Dies war jedoch aufgrund der Höhe und des Gewichts des Nistkastens von einer Leiter aus nicht möglich. Eine Alternative musste rasch gefunden werden, denn die Brutsaison der Falken stand kurz bevor. Zum Glück konnten wir kurzfristig einen Steiger bekommen, mit dem die Montage problemlos gelang. An den Kosten für den Steiger beteiligte sich der NABU Hildesheim zur Hälfte.

Die Leine-Deister-Zeitung berichtete über diese Aktion (siehe PDF-Datei unten).

 

Es dauerte keine Woche, da hatte das Turmfalkenpaar ihr neues Domizil bereits bezogen (siehe Foto oben). Wir hatten es gerade noch rechtzeitig vor Brutbeginn geschafft!

 

Da Turmfalken auch sehr gern Schleiereulenkästen zum Brüten beziehen und diese dann in der Regel nicht zur gleichen Zeit von den Eulen genutzt werden können, sind Nistkästen für beide Vogelarten sinnvoll. Im letzten Jahr registrierten wir 22 Turmfalkenbruten in unseren Schleiereulenkästen. 29 Nistkästen waren von Schleiereulen und 5 von Dohlen belegt. 

 

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Leine-Deister-Zeitung 07.04.2021: Kinderstube in bester Lage
LDZ 07. 04.2021.pdf
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Tote Schleiereulen im Februar und März,                                                                        - aber auch erfolgreiche Hilfsaktionen!

Foto Angelika Krueger
Foto Angelika Krueger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tote Schleiereule -

 gefunden am   14. 02.2021

 

 

Unter dem kurzen, aber extremen Wintereinbruch Anfang Februar mit Temperaturen von bis zu -20°C und einer Schneehöhe bis zu 40 cm haben die Schleiereulen sehr stark gelitten. Der AG Eulenschutz wurden in der Zeit vom 10. Februar bis 13. März acht Totfunde aus der Region Hildesheim gemeldet.

 

Da Schleiereulen keine großen Fettreserven haben, wird es für sie nach einer Woche ohne ihre Hauptnahrung Mäuse eng. Die gefundenen Schleiereulen brachten nur noch ein Gewicht von ca. 200 g auf die Waage. Ein ausgewachsenes Eulenmännchen wiegt etwa 300 g, ein Weibchen etwa 400 g.

 

Bei dieser Wetterlage kann man den Eulen durch das Offenhalten von Scheunen und Ställen, wo sie noch Mäuse fangen können, und durch die Anlage von Mäuseburgen (siehe Nachrichten Januar 2021) helfen.

 

Fünf der tot aufgefundenen Schleiereulen waren beringt. Anhand der Ringnummern konnten wir das Alter der Eulen ermitteln: Vier von ihnen waren nur 8 bis 9 Monate alt, also Jungeulen aus dem letzten Jahr. Eine der Eulen war 18 Monate alt. Die fehlende Erfahrung bei der Nahrungsbeschaffung könnte hier eine Rolle gespielt haben.

 

Ähnlich hohe Verluste wurden aus den Nachbarlandkreisen gemeldet. Bei der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer, wo die Totfunde aus Niedersachsen gesammelt wurden, zählte man 70 tote Eulen.

 

Doch es gab auch erfolgreiche Hilfsaktionen:

 

In einem Dorf nahe Gronau wurden Hühner wegen Kälte und Schnee in einer Scheune einquartiert. Einige frisch geschlüpfte Hühnerküken wurden in einem kleinen Gehege unter einer Wärmelampe gehalten.  An einem Morgen fand der Besitzer eine Schleiereule in diesem Gehege. Sie hatte zwei der Küken gefressen, kam dann aber nicht mehr aus der Öffnung heraus. Sie wurde frei gelassen, das Gehege gut verschlossen und für die Eule wurden in den kommenden Nächten tote Eintagsküken ausgelegt, an denen sie sich bediente.

 

Auch im Raum Salzgitter konnte eine Schleiereule vor dem Verhungern gerettet werden. Die Eule wurde Mitte Februar total abgemagert gefunden und sofort zu einem Tierarzt gebracht. Dort bekam sie zunächst eine Nährlösung, nach drei Tagen wurde sie mit zerkleinerten Mäusen gefüttert. Als sie wieder ganze Mäuse und Eintagsküken fressen konnte, brachte man sie zu einem Falkner, der sie eine weitere Woche mit Nahrung versorgte und beobachtete. Dann wurde die Voliere geöffnet, sodass die Eule allein entscheiden konnte, wann sie wieder in die Freiheit fliegen wollte.

 

Schleiereule, gefunden am 15.02.2021, Foto A. Sandvoss
Schleiereule, gefunden am 15.02.2021, Foto A. Sandvoss
und einen Tag vor der Freilassung, Foto R. Wassmann
und einen Tag vor der Freilassung, Foto R. Wassmann

Wir hoffen, dass es möglichst viele unserer Schleiereulen über den Winter geschafft haben, sodass wir in diesem Jahr viele besetzte Schleiereulenkästen vorfinden.


Januar 2021

Schwere Zeiten für unsere Schleiereulen

 Schleiereulenpaar im Stallfenster. Foto: linear images / Dietmar Nill
Schleiereulenpaar im Stallfenster. Foto: linear images / Dietmar Nill

Bei anhaltender Kälte mit gefrorenem Boden wird es für Greifvögel zunehmend schwieriger, Mäuse zu jagen. Deshalb sieht man in den Wintermonaten häufig Greifvögel, wie z.B. Mäusebussarde, entlang von Straßen und Autobahnen sitzen. Sie hoffen dann darauf, Kadaver überfahrener Tiere zu finden und werden dann häufig selbst zu Opfern.

Schleiereulen dagegen sind auf frische Nahrung angewiesen. Sie speichern, verglichen mit anderen Eulenarten, nur wenig Reservefett. Deshalb leiden die Eulen mit dem herzförmigen Gesicht besonders in schneereichen Wintern unter dem Nahrungsmangel. Eine Woche mit einer geschlossenen Schneedecke setzt ihnen sehr zu. Nach 14 Tagen sterben sie, wenn sie keine andere Nahrungsquelle finden. Ein Abwandern der Eulen in nahrungsreiche Gebiete wurde bisher nicht beobachtet. Somit zählt die Schleiereule in kalten, schneereichen Wintern zu den ersten Kälteopfern.

Doch es gibt Möglichkeiten, unseren „Scheuneneulen“ zu helfen, nämlich indem man für sie die Scheunen öffnet und auch die Einfluglöcher (Ulenfluchten) offen hält. Und darum bitten wir die Landwirte! Der Vorteil dabei ist, dass die Eulen kostenlos, giftfrei und zuverlässig den Mäusebestand in der Scheune dezimieren.  

Im Umfeld bekannter Eulenbrutplätze können außerdem Flächen von Schnee befreit und dort Heu, Stroh und Körner ausgelegt werden. Das lockt Mäuse an, an denen sich dann die Eulen bedienen können.

Eine weitere Möglichkeit, den Eulen bei der Nahrungsbeschaffung zu helfen, ist Mäuse mithilfe einer Mäuseburg anzulocken. Dazu genügt es, mit einigen Brettern einen Würfel ohne Dach zu bauen. Dieser Kasten wird mit Steinen und Getreideabfällen schichtweise gefüllt. Über der Burg wird eine Sitzstange (Stange mit Querholz) für die Eulen angebracht. Eine solche Mäuseburg lockt viele Mäuse an, sodass die Eulen ihre Leibspeise problemlos jagen können. Sinnvollerweise sollte man eine solche Mäuseburg dicht bei einem Brutplatz bzw. Tageseinstand der Eulen aufstellen. Eine genaue Bauanleitung für eine Mäuseburg findet sich in der PDF-Datei unten. Alternativ kann eine Mäuseburg auch aus Paletten gebaut werden.

 

Wir hoffen jedenfalls, dass unsere Schleiereulen gut durch den Winter kommen!

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SE Eulen AG Anlegen einer Mäuseburg.pdf
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