EULEN-NACHRICHTEN

ab Januar 2021


März 2021

Gerade noch rechtzeitig

Turmfalke bezieht neuen Nistkasten, Foto: A. Stucke
Turmfalke bezieht neuen Nistkasten, Foto: A. Stucke

 

Als Mitglieder der AG Eulenschutz im Herbst 2020 den Schleiereulenkasten in der Nicolai-Kirche in Sibbesse kontrollierten und reinigten, erzählte uns Pastor Dr. Steinert, dass seit vielen Jahren Turmfalken auf einer Steinplatte, die in etwa 10 m Höhe unter dem Dach der Kirche befestigt ist, brüten. Zwar ist dieser Platz in luftiger Höhe durch den Dachüberstand etwas wettergeschützt, dennoch geschah es immer wieder, dass Eier der Falken herunterfielen und junge Turmfalken abstürzten. Auch Angriffe von Krähen und Elstern auf das brütende Turmfalkenweibchen wurden beobachtet.

 

Um den Turmfalken zu helfen, schlugen wir Dr. Steinert und dem Kirchenvorstand vor, an Stelle der Steinplatte einen richtigen Nistkasten für Turmfalken zu montieren. Alle waren einverstanden, ein Turmfalkenkasten wurde bestellt und sollte von den Dachdeckern bei der jährlichen Dachkontrolle im Frühjahr montiert werden. Dies war jedoch aufgrund der Höhe und des Gewichts des Nistkastens von einer Leiter aus nicht möglich. Eine Alternative musste rasch gefunden werden, denn die Brutsaison der Falken stand kurz bevor. Zum Glück konnten wir kurzfristig einen Steiger bekommen, mit dem die Montage problemlos gelang. An den Kosten für den Steiger beteiligte sich der NABU Hildesheim zur Hälfte.

 

Es dauerte keine Woche, da hatte das Turmfalkenpaar ihr neues Domizil bereits bezogen (siehe Foto oben). Wir hatten es gerade noch rechtzeitig vor Brutbeginn geschafft!

 

Da Turmfalken auch sehr gern Schleiereulenkästen zum Brüten beziehen und diese dann in der Regel nicht zur gleichen Zeit von den Eulen genutzt werden können, sind Nistkästen für beide Vogelarten sinnvoll. Im letzten Jahr registrierten wir 22 Turmfalkenbruten in unseren Schleiereulenkästen. 29 Nistkästen waren von Schleiereulen und 5 von Dohlen belegt. 

 


Tote Schleiereulen im Februar und März,                                                                        - aber auch erfolgreiche Hilfsaktionen!

Foto Angelika Krueger
Foto Angelika Krueger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tote Schleiereule -

 gefunden am   14. 02.2021

 

 

Unter dem kurzen, aber extremen Wintereinbruch Anfang Februar mit Temperaturen von bis zu -20°C und einer Schneehöhe bis zu 40 cm haben die Schleiereulen sehr stark gelitten. Der AG Eulenschutz wurden in der Zeit vom 10. Februar bis 13. März acht Totfunde aus der Region Hildesheim gemeldet.

 

Da Schleiereulen keine großen Fettreserven haben, wird es für sie nach einer Woche ohne ihre Hauptnahrung Mäuse eng. Die gefundenen Schleiereulen brachten nur noch ein Gewicht von ca. 200 g auf die Waage. Ein ausgewachsenes Eulenmännchen wiegt etwa 300 g, ein Weibchen etwa 400 g.

 

Bei dieser Wetterlage kann man den Eulen durch das Offenhalten von Scheunen und Ställen, wo sie noch Mäuse fangen können, und durch die Anlage von Mäuseburgen (siehe Nachrichten Januar 2021) helfen.

 

Fünf der tot aufgefundenen Schleiereulen waren beringt. Anhand der Ringnummern konnten wir das Alter der Eulen ermitteln: Vier von ihnen waren nur 8 bis 9 Monate alt, also Jungeulen aus dem letzten Jahr. Eine der Eulen war 18 Monate alt. Die fehlende Erfahrung bei der Nahrungsbeschaffung könnte hier eine Rolle gespielt haben.

 

Ähnlich hohe Verluste wurden aus den Nachbarlandkreisen gemeldet. Bei der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer, wo die Totfunde aus Niedersachsen gesammelt wurden, zählte man 70 tote Eulen.

 

Doch es gab auch erfolgreiche Hilfsaktionen:

 

In einem Dorf nahe Gronau wurden Hühner wegen Kälte und Schnee in einer Scheune einquartiert. Einige frisch geschlüpfte Hühnerküken wurden in einem kleinen Gehege unter einer Wärmelampe gehalten.  An einem Morgen fand der Besitzer eine Schleiereule in diesem Gehege. Sie hatte zwei der Küken gefressen, kam dann aber nicht mehr aus der Öffnung heraus. Sie wurde frei gelassen, das Gehege gut verschlossen und für die Eule wurden in den kommenden Nächten tote Eintagsküken ausgelegt, an denen sie sich bediente.

 

Auch im Raum Salzgitter konnte eine Schleiereule vor dem Verhungern gerettet werden. Die Eule wurde Mitte Februar total abgemagert gefunden und sofort zu einem Tierarzt gebracht. Dort bekam sie zunächst eine Nährlösung, nach drei Tagen wurde sie mit zerkleinerten Mäusen gefüttert. Als sie wieder ganze Mäuse und Eintagsküken fressen konnte, brachte man sie zu einem Falkner, der sie eine weitere Woche mit Nahrung versorgte und beobachtete. Dann wurde die Voliere geöffnet, sodass die Eule allein entscheiden konnte, wann sie wieder in die Freiheit fliegen wollte.

 

Schleiereule, gefunden am 15.02.2021, Foto A. Sandvoss
Schleiereule, gefunden am 15.02.2021, Foto A. Sandvoss
und einen Tag vor der Freilassung, Foto R. Wassmann
und einen Tag vor der Freilassung, Foto R. Wassmann

Wir hoffen, dass es möglichst viele unserer Schleiereulen über den Winter geschafft haben, sodass wir in diesem Jahr viele besetzte Schleiereulenkästen vorfinden.


Januar 2021

Schwere Zeiten für unsere Schleiereulen

 Schleiereulenpaar im Stallfenster. Foto: linear images / Dietmar Nill
Schleiereulenpaar im Stallfenster. Foto: linear images / Dietmar Nill

Bei anhaltender Kälte mit gefrorenem Boden wird es für Greifvögel zunehmend schwieriger, Mäuse zu jagen. Deshalb sieht man in den Wintermonaten häufig Greifvögel, wie z.B. Mäusebussarde, entlang von Straßen und Autobahnen sitzen. Sie hoffen dann darauf, Kadaver überfahrener Tiere zu finden und werden dann häufig selbst zu Opfern.

Schleiereulen dagegen sind auf frische Nahrung angewiesen. Sie speichern, verglichen mit anderen Eulenarten, nur wenig Reservefett. Deshalb leiden die Eulen mit dem herzförmigen Gesicht besonders in schneereichen Wintern unter dem Nahrungsmangel. Eine Woche mit einer geschlossenen Schneedecke setzt ihnen sehr zu. Nach 14 Tagen sterben sie, wenn sie keine andere Nahrungsquelle finden. Ein Abwandern der Eulen in nahrungsreiche Gebiete wurde bisher nicht beobachtet. Somit zählt die Schleiereule in kalten, schneereichen Wintern zu den ersten Kälteopfern.

Doch es gibt Möglichkeiten, unseren „Scheuneneulen“ zu helfen, nämlich indem man für sie die Scheunen öffnet und auch die Einfluglöcher (Ulenfluchten) offen hält. Und darum bitten wir die Landwirte! Der Vorteil dabei ist, dass die Eulen kostenlos, giftfrei und zuverlässig den Mäusebestand in der Scheune dezimieren.  

Im Umfeld bekannter Eulenbrutplätze können außerdem Flächen von Schnee befreit und dort Heu, Stroh und Körner ausgelegt werden. Das lockt Mäuse an, an denen sich dann die Eulen bedienen können.

Eine weitere Möglichkeit, den Eulen bei der Nahrungsbeschaffung zu helfen, ist Mäuse mithilfe einer Mäuseburg anzulocken. Dazu genügt es, mit einigen Brettern einen Würfel ohne Dach zu bauen. Dieser Kasten wird mit Steinen und Getreideabfällen schichtweise gefüllt. Über der Burg wird eine Sitzstange (Stange mit Querholz) für die Eulen angebracht. Eine solche Mäuseburg lockt viele Mäuse an, sodass die Eulen ihre Leibspeise problemlos jagen können. Sinnvollerweise sollte man eine solche Mäuseburg dicht bei einem Brutplatz bzw. Tageseinstand der Eulen aufstellen. Eine genaue Bauanleitung für eine Mäuseburg findet sich in der PDF-Datei unten. Alternativ kann eine Mäuseburg auch aus Paletten gebaut werden.

 

Wir hoffen jedenfalls, dass unsere Schleiereulen gut durch den Winter kommen!

Download
SE Eulen AG Anlegen einer Mäuseburg.pdf
Adobe Acrobat Dokument 206.5 KB