EULEN-NACHRICHTEN 2022


Januar 2022

Verletzte Waldohreule kehrt nach Hildesheim zurück

Waldohreule in einer Transportbox. Foto: Martina Kahmann

Als diese prächtige Waldohreule (Foto oben) am 8. Januar 2022 in einem Industriegebiet in Hildesheim gefunden wurde, war nicht klar, ob sie überleben würde. Aufmerksame Spaziergänger hatten die Eule an der Straße sitzend gefunden und die Wildtierrettung der Feuerwehr Hildesheim benachrichtigt. Diese brachte die Waldohreule ins Hildesheimer Tierheim und von dort wurde sie noch am gleichen Tag in die Artenschutzstation des NABU in Leiferde gebracht. Da keine äußeren Verletzungen erkennbar waren, ging man davon aus, dass der nächtliche Jäger ein Kollisionsopfer, vermutlich mit einem Auto, geworden war.

 

Die Waldohreule wurde mit Nahrung versorgt und als sie diese problemlos aufnahm, in eine größere Voliere gesetzt, wo man schon bald ihre gute Flugfähigkeit beobachten konnte. Nach 14 Tagen war sie so weit zu Kräften gekommen, dass wir sie in Hildesheim wieder auswildern konnten. Dies organisierten Mitglieder der AG Eulenschutz. 

Eine Freilassung an ihrem Fundort war allerdings nicht angeraten, da dort in der Nähe die A7 verläuft. Vielleicht stammte die Eule auch aus dem Bereich einer Gartenkolonie, die es in der Nähe des Fundortes gab und die vor kurzem wegen eines Neubaus geräumt wurde. Dabei sind auch die dort stehenden Bäume vollständig entfernt worden, was einen Lebensraumverlust für viele Tiere bedeutet.

 

Glücklicherweise gibt es seit mehreren Jahren in etwa 2 km Entfernung zum Fundort der Eule eine Wintergemeinschaft von mehreren Waldohreulen. Die Vögel sitzen dort tagsüber zusammen in einer dicht gewachsenen Schwarzkiefer und in einer Reihe von Lebensbäumen. Ganz in der Nähe gibt es viel Grünland, also ein optimales Jagdgebiet für die Eulen.

Dort wurde die Waldohreule am 23. Januar in der Abenddämmerung frei gelassen. Sie flog sofort in elegantem Flug in einen nahe gelegenen Baum. Da Waldohreulen, insbesondere in den Wintermonaten, sehr gesellig sind – oft sieht man bis zu zwanzig dieser Eulen gemeinsam in einem Baum sitzen – hoffen wir, dass sie „den Neuzugang“ mit aufnehmen!

 

Die Arbeitsgemeinschaft Eulenschutz bedankt sich beim Artenschutzzentrum Leiferde für die gute Betreuung und Versorgung "unserer Eule". Ein Dank geht auch an das Tierheim Hildesheim und die Wildtierrettung der Feuerwehr, ohne die eine solche Aktion nicht möglich gewesen wäre. 


März 2022

Waldkauzrettung löst Polizeieinsatz aus

Waldkauz, Foto: A. Keller

Als die Meldung, dass an einer stark befahrenen Straße eine Eule sitzt, bei uns einging, machten wir uns sofort auf den Weg. Der Waldkauz, offenbar ein Kollisionsopfer mit einem Auto, war inzwischen in einen der Straßenbäume geflogen und „klemmte“ dort zwischen Stamm und einem Ast, ein Flügel hing leicht herunter. Wird er das Anflugtrauma überwinden und davonfliegen – dann wäre alles in Ordnung – oder bestand die Gefahr, dass er vom Baum herunterfällt? In einem solchen Fall hätte man ihn sofort in tierärztliche Behandlung bringen müssen.

 

Wir bezogen Beobachtungsposten, das Auto parkten wir auf der gegenüberliegenden Seite auf einem abgeernteten Feld. Als die Dämmerung begann, saß der Waldkauz noch auf seinem Platz. Ab und zu drehte er den Kopf. Dann war aus östlicher Richtung das lang gezogene „Huu-hu-huhuhuhuu“ eines zweiten Waldkauzes zu hören.

 

Kurze Zeit später hielten zwei Fahrzeuge der Polizei. Dass dort jemand in der Dämmerung mit Fernglas stand und etwas beobachtete, war einigen Leuten wohl verdächtig vorgekommen, sodass sie die Polizei verständigt hatten. Zum Glück konnte alles geregelt werden und die Polizisten akzeptierten unsere Erklärung.

 

Leider war es inzwischen so dunkel, dass der Waldkauz nicht mehr auszumachen war. Eine Kontrollfahrt am nächsten Morgen zeigte jedoch, dass er den Platz im Baum verlassen hatte. Vielleicht war er zu seinem rufenden Partner geflogen? Wir hoffen es jedenfalls!

 

Auf deutschen Straßen sterben in einem Jahr geschätzte 9,4 Millionen Vögel als Kollisionsopfer. Das entspricht etwa einem Zehntel des deutschen Brutvogelbestandes. Allein die Schlagopferzahl für Greifvögel pro 100 km Autobahn und pro Jahr beträgt ca. 98, die für Eulen ca.  47 Tiere. Die meisten Opfer sind in den Wintermonaten zu beklagen. Zu diesen Ergebnissen ist eine Studie im Jahr 2017 gekommen, die von Bündnis 90/Die Grünen bei dem Forschungsinstitut für Ökosystemanalyse und

-bewertung e.V. an der RTWH Aachen University in Auftrag gegeben wurde. Auch die Elektromobilität wird die Kollisionsrisiken für Wildtiere im Straßenverkehr nicht vermindern.