EULEN-NACHRICHTEN 2022


August 2022

Heimatherzen für die Uhus

                Die Hildesheimer Uhus in Leiferde am 12.08.2022. Foto: A. Krueger 

Die Förder- und Spendenplattform der Sparkasse Hildesheim Goslar Peine unterstützt mit ihrer Aktion „Heimatherzen“ Projekte engagierter Vereine in unserer Region. Die Arbeitsgemeinschaft Eulenschutz des NABU Hildesheim hatte um Unterstützung für ihr Projekt „Lamberti-Uhus“ gebeten. Diese wurde von der Sparkasse gewährt: Den Uhus wird mit einem Spendenbetrag von 750 Euro geholfen, wofür wir sehr dankbar sind. Die Spende geht an die Artenaufzuchtschutzstation in Leiferde und kommt den diesjährigen Hildesheimer Junguhus zugute.

 

Die zwei jungen Uhus, die in diesem Jahr in einem Nistkasten an der Hildesheimer Lambertikirche geschlüpft waren, konnten nach Verlassen des Brutplatzes nicht in der Nähe der Kirche bleiben, da das städtische Umfeld der Kirche für die noch flugunfähigen Uhuküken lebensgefährlich ist. Deshalb brachten Mitglieder der Eulengruppe Mitte Juni die etwa acht Wochen alten Uhujungen in die Wildtieraufzuchtstation des NABU nach Leiferde. Wir berichteten in den EULEN-NACHRICHTEN von Mai und Juni darüber.

 

In der Zwischenzeit hat sich der Uhunachwuchs prächtig entwickelt, auch das Fliegen haben die beiden jungen Eulen gut gelernt. Davon konnten wir uns überzeugen, als wir sie im August in Leiferde besuchten (siehe Foto oben). Junge Uhus sind immer hungrig und halten sich in der Nähe der Altvögel auf bis sie etwa fünf Monate alt sind. In dieser Zeit werden sie von den Uhueltern noch mit Nahrung versorgt. Bei den „Lamberti-Uhus“ hat diese Aufgabe die Artenaufzuchtstation übernommen. Die Uhujungen, die seit Mitte Juni in der Artenaufzuchtstation sind, bleiben nun noch bis September in der Betreuung. Futtertiere für Uhus sind Eintagsküken, Mäuse und Ratten. Da seit dem 01.01.2022 das Tötungsverbot für männliche Küken gilt, sind die Preise für Eintagsküken sprunghaft angestiegen. Die Verkaufspreise der anderen Futtertiere wurden ebenfalls erhöht, sodass Zoos und Wildtierstationen erhebliche Mehrkosten zu tragen haben. Allein die Ernährung der beiden Uhus mit Mäusen kostet die Artenaufzuchtstation Leiferde 10 Euro pro Tag, die mit Ratten etwa 18 Euro. Deshalb ist die Heimatherzen-Spende „ein Segen für die Aufzuchtstation in Leiferde“, wie uns einer der Tierpfleger versicherte.

Im September sollen die Junguhus auf ein Leben in Freiheit vorbereitet und dann ausgewildert werden.

 

Die Mitglieder der Eulengruppe des NABU freuen sich sehr über die Spende der Sparkasse, mit der ein großer Teil der Betreuungskosten für die jungen Uhus abgedeckt werden kann. Ein ganz großes DANKESCHÖN an die Aktion Heimatherzen!

 


Hilfe für Greifvögel in Diekholzen

Greifvogeljule an der Röderhofer Straße in Söhre. 

Im Frühjahr 2022 verlegte Firma AVACON die oberirdisch verlaufenden Stromleitungen in Diekholzen unter die Erde. Auch die Betonpfähle, an denen die Leitungen befestigt waren, wurden abgebaut. Monika Klement aus Söhre hatte beobachtet, dass die hohen Aussichtsplätze bei den Greifvögeln offensichtlich sehr beliebt waren. Nun sorgte sie sich um die Greife, die zwischen den großen Feldern alle ihre Ansitzmöglichkeiten verloren hatten. Mäusebussarde, Turmfalken und auch Eulen nutzen die erhöhten Sitzwarten zur Ansitzjagd auf Kleinsäuger. Die im Raum Diekholzen ebenfalls vorkommende Rohrweihe gehört zwar nicht zu den Ansitzjägern, ist jedoch ebenso auf erhöhte Sitzpositionen angewiesen, um einen Überblick über ihren Neststandort zu haben.

 

Frau Klement wandte sich in ihrer Sorge an den NABU Hildesheim. Gemeinsam mit der AG Eulenschutz entstand der Plan, Ersatz für die abgebauten Betonpfähle zu schaffen: An den Feldrändern sollten Greifvogeljulen, auch „Sitzkrücken“ genannt, aufgestellt werden. Nachdem die Gemeinde Diekholzen ihre Zustimmung gegeben hatte, musste noch die Finanzierung geklärt werden. Der Energieversorger AVACON stellte für das Naturschutzprojekt 500 Euro zur Verfügung. Winkeleisen und Holzpfähle für die Julen spendete der Forstbetrieb Christian Dette aus Diekholzen.

 

Damit konnte der Arbeitseinsatz beginnen: Mitglieder der AG Eulenschutz und Familie Klement montierten gemeinsam an den Feldrändern der Röderhofer Straße im Diekholzener Ortsteil Söhre fünf Sitzkrücken für Greifvögel. Dazu wurde zuerst ein Winkeleisen mit einem Vorschlaghammer in die Erde geschlagen. Nach diesem Kraftakt, der ein wenig an die Jahrmarktattraktion „Hau den Lukas“ erinnerte, wurde dann der Holzpfahl mit Sitzstange an das Eisen angeschraubt (siehe Fotos unten).

Jetzt haben Mäusebussard, Turmfalke, und nachts Schleiereule, Waldohreule, Waldkauz und Uhu die Wahl zwischen fünf Ansitzplätzen bei der Jagd nach Feld- und Wühlmäusen.

 

Ein großes Dankeschön geht an die Spender, die Firmen AVACON und Dette aus Diekholzen, die finanziell und materiell das Aufstellen der Greifvogeljulen unterstützt haben. Die Spende der Firma AVACON soll für weitere Naturschutzprojekte in der Gemeinde Diekholzen genutzt werden.

 

 

Die Bilderreihe zeigt das Aufstellen einer Jule für Greifvögel. Auf dem letzten Foto sind (von links) Uli Schönbach, Thomas Klement, Werner Sager, Günther Schluhe und Monika Klement zu sehen.

Alle Fotos: A. Krueger


Juli 2022

LEBENSRAUM KIRCHTURM:

Freie "Turmzimmer" in Freden und Banteln

Der restaurierte Kirchturm von St. Laurentius in Freden mit den Einflugöffnungen zum Turmfalkenkasten (rechts oben) und zum Schleiereulenkasten (unten). 

Im letzten Jahr wurde mit der Sanierung der Kirchen St. Georg in Banteln und St. Laurentius in Freden begonnen. Das Amt für Bau- und Kunstpflege in Hildesheim, das für die Sanierung der Kirchen zuständig ist, fragte bei der AG Eulenschutz nach, ob Interesse am Einbau eines Schleiereulenkastens besteht.

Wir sagten sofort zu, denn Nistplätze in Kirchen und Kirchtürmen werden von Schleiereulen gern angenommen, weil sie dort ungestört sind. Auch das Umfeld der beiden Kirchen bietet genügend Jagdmöglichkeiten für Eulen. Das Glockengeläut stört die Eulen nicht, denn sie sind, im Gegensatz zu uns, in der Lage, ihre Gehörnerven vorübergehend auszuschalten. Auch in den Niederlanden wohnen Schleiereulen gern in Kirchtürmen, deshalb nennt man sie dort KERKUIL, was übersetzt KIRCHENEULE bedeutet.

 

Nachdem auch die Kirchenvorstände mit dem Einbau der Eulenkästen einverstanden waren, konnten wir diese noch während der Sanierungsphasen der Kirchen im jeweiligen Kirchturm deponieren (siehe Eulen-Nachrichten Oktober 2021: „Nistkastentransfer per Aufzug“). Sie wurden dann von den Zimmerleuten und Dachdeckern eingebaut. Meist ist der Einbau von Schleiereulenkästen in Kirchtürme aufwändiger, denn wegen der engen und steilen Treppen oder Leitern müssen die Kästen in zerlegtem Zustand nach oben gebracht und dann an Ort und Stelle zusammengebaut werden.

 

Der Schleiereulenkasten in der St. Georgkirche in Banteln wurde hinter einer der rechteckigen Schallöffnungen eingebaut (s. Foto unten).

 

Hinter den Lamellen dieser  Schallöffnung in der Bantelner Kirche wurde der Schleiereulenkasten eingebaut.  

In beiden Kirchtürmen finden jetzt sowohl Schleiereulen als auch Turmfalken einen Nistplatz.  Bei der Sanierung des Fredener Kirchturms wurde auch gleich ein Turmfalkenkasten eingebaut (s. Foto ganz oben und unten). Der Falkenkasten in Banteln wurde bereits im Jahr 2007 hoch oben im Kirchturm installiert und seitdem von Turmfalken zum Brüten genutzt.  Obwohl dieser Kasten für Schleiereulen viel zu klein ist, brütete dort 2019 ein Eulenpaar und zog drei Junge auf. Wir berichteten darüber in unseren Eulen-Nachrichten im Oktober 2019 „Wenn der Wohnraum zu klein wird“. 

 

 

 

 

Diesen Ausblick haben Falken aus dem Nistkasten in der St. Laurentiuskirche in Freden. 

Wir freuen uns darüber, beide Kirchengemeinden im Herbst für ihr Engagement im Artenschutz mit der Plakette LEBENSRAUM KIRCHTURM des NABU auszeichnen zu dürfen und sind sehr gespannt, wer die neuen Nistkästen im nächsten Jahr beziehen wird.                                                                                   

Bereits am 19. Juli 2022 erhielt eine weitere Kirchengemeinde in Freden diese Auszeichnung. Es ist die Gemeinde der dortigen St. Georgkirche - die Kooperation mit dem heiligen St. Georg gestaltet sich also nicht nur in Banteln, sondern auch in Freden bemerkenswert erfolgreich. 

[Alle Fotos : Angelika Krueger]


Juni 2022

Wie geht es den Uhus von der Lamberti-Kirche?

Zwei Junguhus  und ein Altuhu in der Einflugöffnung zum Turmfalkenkasten an St. Lamberti. Foto: A. Keller

Nach der Entdeckung der Uhu-Brut in einem Turmfalkenkasten an der Lamberti-Kirche Mitte Mai war fraglich, ob die jungen Uhus den Absprung aus dem Nistkasten unverletzt überstehen würden. Wir berichteten darüber in den Eulen-Nachrichten im Mai 2022. Mitglieder der AG Eulenschutz und hilfsbereite Nachbarn der Lamberti-Kirche hatten den Nistkasten und die Kirche stets im Blick, um im Notfall sofort reagieren und helfen zu können.

 

Unsere Hoffnung auf einen Schutzengel für die jungen Uhus erfüllte sich. Beide erreichten gesund und unverletzt den Erdboden. Sie sind jetzt in der Wildtieraufzuchtstation des NABU in Leiferde. Wenn sie ihre volle Flugfähigkeit erlangt und auf ein Leben in Freiheit vorbereitet sind, sollen sie im Herbst ausgewildert werden. 

 

Einen ausführlichen Bericht über die Geschehnisse an der Lamberti-Kirche können Sie  in der PDF-Datei: „Die Uhus von der Lamberti-Kirche“ lesen:

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Die Uhus von der Lamberti-Kirche
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Der Nistkasten an der Lamberti-Kirche hat sich für die Aufzucht von jungen Uhus als ungeeignet erwiesen. Er ist gefährlich für die Jungvögel und weder die Dachlandschaft der Kirche noch das städtische  Umfeld sind für Infanteristen-Uhus geeignet. Deshalb muss im Herbst entschieden werden, ob der Brutplatz ganz geschlossen oder zumindest das Einflugloch deutlich verkleinert wird, sodass er für Uhus unzugänglich wird.

Wo die Hildesheimer Uhus im nächsten Jahr brüten, bleibt abzuwarten. Vielleicht kehren sie an den Hildesheimer Dom zurück.

 

Die Hildesheimer Zeitung berichtete darüber am 12.06.2022: „Lamberti-Uhu vom Dach geholt“, und am 22.06.2022: „Lamberti-Uhus in Aufzuchtstation gebracht“ (siehe Dateien unten). 

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Lamberti-Uhu vom Dach geholt
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Lamberti-Uhus in Aufzuchtstation gebracht
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Mai 2022

Hildesheimer Uhus brüten an St. Lamberti

Uhuweibchen  in der Einflugöffnung zum Turmfalkenkasten an St. Lamberti. Foto: A. Keller

 Als zu Beginn des Jahres Balz und Paarung der Uhus am Hildesheimer Dom beobachtet wurden, gingen wir davon aus, dass die Uhus, so wie in den Jahren 2014 bis 2021, am Dom brüten und ihre Jungen aufziehen würden. Doch die beiden Uhu-Nistkästen am Dom blieben verwaist. Dafür mehrten sich Meldungen über Beobachtungen von Uhus an der St. Godehard- und der St. Lamberti-Kirche. Am 12. Mai berichtete Frau Klaiber, die den Turm der St. Lamberti Kirche seit längerer Zeit beobachtet, dass sie im Einflugloch des Turmfalkenkastens, der sich in etwa 50 Meter Höhe befindet, einen Altuhu und ein Uhuküken gesehen habe. Die Hildesheimer Zeitung berichtete darüber (siehe unten: „Umzug nach St. Lamberti“).

 

 Schnell war klar, dass dieser Brutplatz weder für die Uhueltern noch die Jungtiere ideal ist.

Bei den Uhus ist unter allen Eulen die Infanteristenphase besonders ausgeprägt. Die jungen Uhus verlassen im Alter von etwa 6 Wochen den Nistplatz und erkunden dann für etwa drei Wochen die Welt zu Fuß. In dieser Zeit werden sie von den Altvögeln mit Nahrung versorgt.  Mit 9 bis 10 Wochen können sie fliegen.

Doch rings um die Lamberti-Kirche gibt es keine Möglichkeit, die jungen Uhus für diese Zeit sicher unterzubringen. Hinzu kommt, dass für den Uhunachwuchs beim Absprung vom Kirchturm eine große Verletzungsgefahr besteht.

 

 In Absprache mit dem Uhu-Experten Wilhelm Breuer aus Hannover beschlossen wir nach Abwägung aller möglichen Maßnahmen, die Uhujungen nach ihrem Absprung vom Nistplatz in die Artenaufzuchtstation nach Sachsenhagen zu bringen, sodass sie später von dort ausgewildert werden können.

Indes gestaltet sich die aktuelle Situation an der Lamberti-Kirche folgendermaßen:

Das Uhuweibchen sitzt tagsüber in der Einflugöffnung des Turmfalkenkastens (siehe Foto oben). Es muss die Uhujungen, immer wieder gegen anfliegende Rabenkrähen und Turmfalken verteidigen. Abends gegen 21:45 Uhr verlässt das Weibchen den Brutplatz und begibt sich auf die Jagd. Dann kann man die Uhujungen, es sind offenbar zwei, sehen, wie sie in dem Nistkasten herumlaufen und immer wieder aus der Öffnung herausschauen (siehe Foto unten).

 

Auch das Uhumännchen beteiligt sich an der Versorgung der Jungen. Es hält sich tagsüber gut verborgen in der Nähe des Nistplatzes auf.

 Früh morgens, wenn das Uhuweibchen zurückkehrt und den Nistkasten anfliegen will, wird es teilweise massiv von Rabenkrähen attackiert und muss dabei auch Schnabelhiebe der Rabenvögel einstecken. Auch die Uhujungen würden, wenn sie den Nistkasten verlassen, von den Krähen angegriffen.

 

Die Wahl dieses Brutplatzes in Hildesheim beruht mit großer Wahrscheinlichkeit darauf, dass wir es in diesem Jahr mit einem neuen Uhuweibchen zu tun haben. Das Weibchen vom Hildesheimer Dom hätte wieder den Nistkasten im Kreuzgang des Doms gewählt, denn damit hat es gute Erfahrungen gemacht.  Allerdings ist es inzwischen 12 Jahre alt und vielleicht nicht mehr am Leben.  Am Dom verbringen die Infanteristen-Uhus ihre Zeit im Kreuzgang, einem abgeschlossenen Bereich, den sie erst verlassen können, wenn sie flügge sind.

 

Die Idee, die jungen Uhus in einen abgesperrten Bereich neben der Kirche zu setzen, wurde unter anderem deshalb verworfen, weil man nicht weiß, wie das Uhuweibchen auf Hunde oder Personen reagiert, die sich in der Nähe aufhalten. Bei drohender Gefahr für den Uhunachwuchs ist nicht ausgeschlossen, dass die Uhumutter sich nähernde Tiere oder Personen angreift. 

Dieses Verhalten einer Uhumutter wird sehr gut auf der Website der EGE (Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen) in einem Video bei den Nachrichten für Mai 2022: „Bei den Uhus daheim“ dokumentiert. Wenn Sie den Bericht lesen und das Video sehen möchten, klicken Sie bitte hier.

 

Junge Uhus im Nistkasten an St. Lamberti. Foto A. Keller

Noch wissen wir nicht, ob der Absprung der jungen Uhus problemlos erfolgen wird. Wir können es nur hoffen und auf einen Schutzengel für die kleinen Uhus vertrauen.

 

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Umzug nach St. Lamberti - Achtung, junge Uhus von oben!
20220512 Uhu Umzug nach St. Lamberti HAZ
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März 2022

Waldkauzrettung löst Polizeieinsatz aus

Waldkauz, Foto: A. Keller

Als die Meldung, dass an einer stark befahrenen Straße eine Eule sitzt, bei uns einging, machten wir uns sofort auf den Weg. Der Waldkauz, offenbar ein Kollisionsopfer mit einem Auto, war inzwischen in einen der Straßenbäume geflogen und „klemmte“ dort zwischen Stamm und einem Ast, ein Flügel hing leicht herunter. Wird er das Anflugtrauma überwinden und davonfliegen – dann wäre alles in Ordnung – oder bestand die Gefahr, dass er vom Baum herunterfällt? In einem solchen Fall hätte man ihn sofort in tierärztliche Behandlung bringen müssen.

 

Wir bezogen Beobachtungsposten, das Auto parkten wir auf der gegenüberliegenden Seite auf einem abgeernteten Feld. Als die Dämmerung begann, saß der Waldkauz noch auf seinem Platz. Ab und zu drehte er den Kopf. Dann war aus östlicher Richtung das lang gezogene „Huu-hu-huhuhuhuu“ eines zweiten Waldkauzes zu hören.

 

Kurze Zeit später hielten zwei Fahrzeuge der Polizei. Dass dort jemand in der Dämmerung mit Fernglas stand und etwas beobachtete, war einigen Leuten wohl verdächtig vorgekommen, sodass sie die Polizei verständigt hatten. Zum Glück konnte alles geregelt werden und die Polizisten akzeptierten unsere Erklärung.

 

Leider war es inzwischen so dunkel, dass der Waldkauz nicht mehr auszumachen war. Eine Kontrollfahrt am nächsten Morgen zeigte jedoch, dass er den Platz im Baum verlassen hatte. Vielleicht war er zu seinem rufenden Partner geflogen? Wir hoffen es jedenfalls!

Auf deutschen Straßen sterben in einem Jahr geschätzte 9,4 Millionen Vögel als Kollisionsopfer. Das entspricht etwa einem Zehntel des deutschen Brutvogelbestandes. Allein die Schlagopferzahl für Greifvögel pro 100 km Autobahn und pro Jahr beträgt ca. 98, die für Eulen ca.  47 Tiere. Die meisten Opfer sind in den Wintermonaten zu beklagen. Zu diesen Ergebnissen ist eine Studie im Jahr 2017 gekommen, die von Bündnis 90/Die Grünen bei dem Forschungsinstitut für Ökosystemanalyse und

-bewertung e.V. an der RTWH Aachen University in Auftrag gegeben wurde. Auch die Elektromobilität wird die Kollisionsrisiken für Wildtiere im Straßenverkehr nicht vermindern.


Januar 2022

Verletzte Waldohreule kehrt nach Hildesheim zurück

Waldohreule in einer Transportbox. Foto: Martina Kahmann

Als diese prächtige Waldohreule (Foto oben) am 8. Januar 2022 in einem Industriegebiet in Hildesheim gefunden wurde, war nicht klar, ob sie überleben würde. Aufmerksame Spaziergänger hatten die Eule an der Straße sitzend gefunden und die Wildtierrettung der Feuerwehr Hildesheim benachrichtigt. Diese brachte die Waldohreule ins Hildesheimer Tierheim und von dort wurde sie noch am gleichen Tag in die Artenschutzstation des NABU in Leiferde gebracht. Da keine äußeren Verletzungen erkennbar waren, ging man davon aus, dass der nächtliche Jäger ein Kollisionsopfer, vermutlich mit einem Auto, geworden war.

 

Die Waldohreule wurde mit Nahrung versorgt und als sie diese problemlos aufnahm, in eine größere Voliere gesetzt, wo man schon bald ihre gute Flugfähigkeit beobachten konnte. Nach 14 Tagen war sie so weit zu Kräften gekommen, dass wir sie in Hildesheim wieder auswildern konnten. Dies organisierten Mitglieder der AG Eulenschutz. 

Eine Freilassung an ihrem Fundort war allerdings nicht angeraten, da dort in der Nähe die A7 verläuft. Vielleicht stammte die Eule auch aus dem Bereich einer Gartenkolonie, die es in der Nähe des Fundortes gab und die vor kurzem wegen eines Neubaus geräumt wurde. Dabei sind auch die dort stehenden Bäume vollständig entfernt worden, was einen Lebensraumverlust für viele Tiere bedeutet.

 

Glücklicherweise gibt es seit mehreren Jahren in etwa 2 km Entfernung zum Fundort der Eule eine Wintergemeinschaft von mehreren Waldohreulen. Die Vögel sitzen dort tagsüber zusammen in einer dicht gewachsenen Schwarzkiefer und in einer Reihe von Lebensbäumen. Ganz in der Nähe gibt es viel Grünland, also ein optimales Jagdgebiet für die Eulen.

Dort wurde die Waldohreule am 23. Januar in der Abenddämmerung frei gelassen. Sie flog sofort in elegantem Flug in einen nahe gelegenen Baum. Da Waldohreulen, insbesondere in den Wintermonaten, sehr gesellig sind – oft sieht man bis zu zwanzig dieser Eulen gemeinsam in einem Baum sitzen – hoffen wir, dass sie „den Neuzugang“ mit aufnehmen!

 

Die Arbeitsgemeinschaft Eulenschutz bedankt sich beim Artenschutzzentrum Leiferde für die gute Betreuung und Versorgung "unserer Eule". Ein Dank geht auch an das Tierheim Hildesheim und die Wildtierrettung der Feuerwehr, ohne die eine solche Aktion nicht möglich gewesen wäre.